1-Euro-Job-Blog

März 1, 2007

Wissenschaftliche Informationen

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  • 1-Euro-Job als Gegenleistung ? Chancen und Grenzen des Workfareprinzips

Gelegentlich werden 1-Euro-Jobs als Gegenleistung für die Lebensunterhaltssicherung verstanden. Diese Workfare bezeichnete Sicht, die im SGB II nicht (!) Gesetz geworden ist, wird auch von manchen als Modell der Zukunft des SGB II gesehen. Chancen und Grenzen einer Arbeitspflicht als Gegenleistung für finanzielle soziale Hilfe diskutieren
Susanne Koch, Gesine Stephan, Ulrich Walwei in einem Diskussionpapier (17/2005) des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB).

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  • Neudefinition der Menschenwürde durch Ein-Euro-Jobs und Sanktionen bei Nichtannahme ?

Knut Hinrichs (Professor an der FH Bochum) beschäftigt sich in der Kritischen Justiz (2/2006,S 195 ff) unter der Überschrift „Leistungen und Sanktionen- zur Neudefinition der Menschenwürde durch die ‘Hartz IV-Gesetze’ “ mit der Menschenwürde als solcher und mit ihrer Eignung als Maßstab für konkrete rechtliche Maßstäbe z.B. bei der Regelbedarfsbemessung.

Seine zentrale These: Die breite Durchsetzung der 1-Euro-Jobs bewirkt eine Verschiebung in der Tektonik des Sozialrechts. Es bilde sich eine Arbeitspflicht im Sinne des (Reichs)Arbeitsdienstes, eines Dienstes an der Gemeinschaft, heraus und diese verstehe sich nicht mehr nur als Obliegenheit, sondern als echte Gegenleistung zum Hilfeanspruch.

Hinrichs Darstellung fußt auf einer sehr formalistischen Sicht des Begriffs der Menschenwürde. Diese muss man nicht teilen. Seine These zur Gegenleistungspflicht übergeht, dass dies zwar Anliegen des CDU/CSU-Entwurfs zum SGB II war, aber nicht Gesetz geworden ist. Dennoch ist die Konzeption des SGB II von mancherlei Ambivalenzen durchzogen (Folge des politischen Kompromisses), die auch der Deutung von Hinrichs ausreichend Nahrung geben.

  • Förderung von arbeitslosen Personen im Rechtskreis des SGB II durch Arbeitsgelegenheiten: Bislang wenig zielgruppenorientiert

Joachim Wolff und Katrin Hohmeyer (IAB)

„Unsere Ergebnisse zeigen für die ersten drei Quartale des Jahres 2005, dass Zusatzjobs nicht gezielt besonders schwer vermittelbare Arbeitslose fördern. Nur Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren sind in der Praxis eine wichtige Zielgruppe. Zudem sprechen unsere Ergebnisse dafür, dass Zusatzjobs in der Tat als Work-Test eingesetzt werden. Dies
ebenso wie eine Zuweisung von Personen mit vergleichsweise guten Aussichten auf eine reguläre Beschäftigung (Creaming) und Anlaufprobleme könnten die geringe Zielgruppenorientierung der Zusatzjobs erklären.“

Fundstelle

  • Ein-Euro-Jobs, Tagelöhner und die neue Unsicherheit

Arbeitssoziologe Dörrie Armut und Arbeitslosigkeit in Deutschlandhartz.blogg.de/…

  • Evaluation der Eingliederungseffekte von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen

in reguläre Beschäftigung für Teilnehmer in Deutschland

Marco Caliendo, Reinhard Hujer und Stephan L. Thomsen

„Bei Betrachtung der Effekte für vier Hauptgruppen, d.h. Frauen und Männer in Ost- und Westdeutschland, kann nur für die Gruppe der Frauen in Westdeutschland eine signifikante Verbesserung der Beschäftigungssituation durch die Teilnahme ermittelt werden.“

Fundstelle

Sozialwissenschaften

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Sozialwissenschaftliche Materialien zu Ein-Euro-Jobs


  • IAB-Forschungsberichte 2/2007 + Discussion Paper No. 8/2007

    1-Euro-Jobs verdrängen Arbeitsverhältnisse

    Zwei Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) bestätigen auf der Basis statistischer Daten den schon lange behaupteten, aber noch nie konkret untersuchten Substitutionseffekt der Ein-Euro-Jobs gegenüber normalen Arbeitsstellen. Vor allem Betriebe in Ostdeutschland machen offenbar gern von Ein-Euro-Jobs anstelle von arbeitsvertraglicher Arbeit Gebrauch.

    Daneben zeigt der das Papier von Kettner/Rebien Möglichkeiten der Arbeitsvermittlung auf, mit diesem Instrument auf individueller Ebene Hemmnisse für einen erfolgreichen Übergang in den ersten Arbeitsmarkt zu identifizieren. Dieses Potential bleibe bislang weitestgehend ungenutzt. Zugleich kümmere sich die Wirtschafts- bzw. Arbeitsmarktpolitik zu wenig um die gesamtwirtschaftlichen Risiken der Sozialen Arbeitsgelegenheiten. Beides sei dringend geboten, damit die Ziele des Instruments erreicht werden können, d.h. durch befristete Beschäftigung Personen an den Arbeitsmarkt heranzuführen, ohne die Arbeitslosigkeit an anderer Stelle zu erhöhen. Die vorgestellten Ergebnisse basieren auf einer Sonderbefragung im Rahmen der IAB-Erhebung des gesamtwirtschaftlichen Stellenangebots 2005.

    1. Soziale Arbeitsgelegenheiten Einsatz und Wirkungsweise aus betrieblicher und arbeitsmarktpolitischer Perspektive
    Anja Kettner, Martina Rebien

    2. Verdrängen Ein-Euro-Jobs sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in den Betrieben?
    Christian Hohendanner (IAB)

  • IAB-Forschungsbericht Nr. 22/2006
    Arbeitsgelegenheiten mit Arbeitsvertrag und Ein-Euro-Jobs 2005 im Vergleich

Es gab im Jahr 2005 in Arbeitsgemeinschaften und Agenturen mit getrennter Trägerschaft knapp 630.000 Zugänge in Arbeitsgelegenheiten, davon gut 25.000 Zugänge in die Entgeltvariante, was einem Anteil von etwa vier Prozent entspricht.

Arbeitsgelegenheiten mit Entgelt sind mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von durchschnittlichen 36 Stunden tendenziell Vollzeitbeschäftigungen. Diese hohe Wochenstundenzahl birgt die Gefahr von Einsperreffekten, wenn den Teilnehmern neben der Beschäftigung nicht genügend Zeit bleibt, eine reguläre Beschäftigung zu suchen. Für Zusatzjobs ist die wöchentliche Stundenzahl in mehr als 90 Prozent der Fälle auf 30 Stunden pro Woche begrenzt.

Wir sind der Frage nachgegangen, ob in den Arbeitsgelegenheiten eine solche Zielgruppenorientierung erreicht wird. Als Zielgruppen haben wir Jugendliche und junge Erwachsene, Ältere, gering qualifizierte Personen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Ausländer betrachtet. In vielen Fällen werden diese Zielgruppen allerdings unterproportional gefördert, in anderen Fällen nicht nennenswert überproportional. Einzige Ausnahme sind Jugendliche und junge Erwachsene: Ihr Anteil an den Zugängen in Arbeitsgelegenheiten ist für die Mehraufwandsvariante etwa 2,5- und für die Entgeltvariante etwa 3,5-mal so hoch wie ihr Anteil an den Arbeitslosen. Gerade bei dieser Zielgruppe ist nicht sicher, dass sie auch in einem so hohen Maße eine Zielgruppe der Arbeitsförderung sein sollte, da Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren relativ gute Chancen haben, eine reguläre Beschäftigung zu finden.

Unser Schluss ist ähnlich wie schon bei unserem Bericht zu den Arbeitgelegenheiten in der Mehraufwandsvariante: solange noch keine Ergebnisse dazu vorliegen, wie Arbeitsgelegenheiten die Arbeitsmarktchancen der Teilnehmer aus verschiedenen Personengruppen beeinflussen, sollten sich auch Arbeitsgelegenheiten in der Entgeltvariante stärker auf bislang vernachlässigte
Zielgruppen konzentrieren. Dies sollte dazu beitragen, dass häufiger Personen gefördert werden, deren Chancen auf eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt durch eine Teilnahme an Arbeitsgelegenheiten in der Entgeltvariante noch maßgeblich verbessert werden können. Zudem sollte dadurch Creaming vermieden werden.

Abstract und kostenlosen Volltext-Download

  • Welche Arbeitgeber nutzen Ein-Euro-Jobs?

Zwischen August 2002 (vor den Hartz-Gesetzen) und August 2006 hat die Zahl der ABM-Stellen um ca. 110.000 ab- und die der 1-Euro-Jobs um 285.000 zugenommen. Resümierend bringen Bellmann u.a. in einer Evaluierung der Arbeitsgelegenheiten die betriebliche Praxis auf den Punkt: „Gestern ABM, heute Ein-Euro-Jobs“.

Bellmann, L./Hohendanner, C./Promberger, M. (2006): In: Sozialer Fortschritt 55 (8), S. 201-207

  • Reform des SGB II und Ausweitung der Ein-Euro-Jobs

Als „Sanierungsfall“ sieht Professor Dr. Joachim Jens Hesse das SGB II und formuliert vor dem Hintergrund einer laufenden Untersuchung der Arbeit bei den Leistungsträgern „Zehn Thesen zum Stand und zur Weiterentwicklung der Aufgabenwahrnehmung nach dem SGB II“. Darin zeigt er sich vor allem von der Arbeit der Optionskommunen sehr überzeugt und fordert eine Ausweitung des Stellenangebots im Bereich der Ein-Euro-Jobs:

„Die Krise des SGB II stellt sich nicht als Vermittlungs-, sondern als ein Beschäftigungsproblem dar. So halten die örtlichen Träger nur eine Minderheit der Leistungsempfänger für vermittlungsfähig, es sei denn, es kommt zu einer intensiven Betreuung. Da außerdem der überregionale Arbeitsmarkt fast keine Rolle spielt, ist der Ausweis gemeinnütziger Beschäftigungsangebote vor Ort zu forcieren, zumal die Erfahrung mit „Ein-Euro-Jobs“ dokumentiert, dass hierfür meist eine ausreichende Nachfrage besteht. Auch insofern erscheint sozial- und beschäftigungspolitischer Realismus angezeigt, statt kontinuierlich zusätzliches Sanktionspotenzial einzufordern, das im Übrigen bei Arbeitsverweigerung schon heute gegeben ist (§ 31 SGB II). Um Langzeitarbeitslosigkeit dauerhaft zu senken, ist vor allem der Zufluss neuer Hilfebedürftiger in das SGB II zu begrenzen. Dem suchen zahlreiche Aufgabenträger inzwischen dadurch zu entsprechen, dass sie – in Verbindung mit anderen kommunalen Aufgaben – im Bereich der Schule und der Jugendarbeit präventiv tätig werden. Der Bund sollte diese Ansätze durch ein Präventionsgebot im SGB II absichern und im Rahmen der laufenden Evaluation positiv berücksichtigen. Länder und Kommunen sind ihrerseits dazu aufgerufen, entsprechende Bildungs- und Erziehungsausgaben auszubauen.“

Fundstelle

  • Memorandum:

Gegen einen überstürzten, für einen überlegten Ausbau von „Zusatzjobs“ für Empfänger des Arbeitslosengeldes II
Prof. Dr. Hermann Scherl Universität Erlangen-Nürnberg

  • IAB-Forschungsbericht * 15/2006

    Von der Reduzierung zur Mobilisierung des Arbeitskräftepotenzials * Ansätze zur Integration von inaktiven und arbeitslosen Sozialleistungsbeziehern im internationalen Vergleich
    Konle-Seidl, Regina; Lang, Kristina

    In den „beschäftigungspolitisch erfolgreichen“ Ländern Dänemark, Niederlande, Großbritannien und Schweden sind nicht nur die Arbeitslosenquoten gering und die Beschäftigungsquoten hoch, sondern auch die Inaktivitätsquoten von Sozialleistungsempfängern liegen erheblich über dem deutschen Niveau. In den Nachbarländern erfolgte in den 80er und 90er eine stärkere sozialstaatlich subventionierte Verknappung des Arbeitsangebotes über Erwerbsunfähigkeit und Krankheit als in Deutschland. Steigende Unter- bzw. Nichtbeschäftigung in den „Beschäftigungswunderländern“ ging einher mit sinkenden offiziellen Arbeitslosenzahlen.
    Immer höhere Ausgaben für nichtaktive Sozialleistungsbezieher und eine teils bereits akute und – aufgrund des demographischen Wandels künftig größer werdende – Arbeitskräfteknappheit haben jüngst in allen vier Ländern zu einem Kurswechsel in Richtung Mobilisierung dieses latenten Erwerbspersonenpotentials geführt.

    Fundort

  • IAB-Forschungsbericht * 05/2006

Zielgruppenspezifische Evaluation von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen * Gewinner und Verlierer
Brinkmann, Christian; Caliendo, Marco; Hujer, Reinhard; Thomsen, Stephan L.

Fundort

  • IAB-Forschungsbericht * 03/2006

Arbeitsförderung für Langzeitarbeitslose * erste Befunde zu Eingliederungsleistungen des SGB III im Rechtskreis SGB II (Heinemann, Sarah; Gartner, Hermann; Jozwiak, Eva)

Fundort

 

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